"Wir laden drei Agenturen ein, präsentieren lassen, dann entscheiden wir." – Klingt fair. Ist es aber oft nicht.
Das Problem: Die beste Präsentation gewinnt. Nicht die beste Agentur. Nicht die, die dein Projekt am besten umsetzen kann.
Ein Pitch zeigt, wie eine Agentur präsentiert. Nicht, wie sie arbeitet. Das ist ein großer Unterschied.
Ein Agenturwettbewerb (auch Pitch genannt) ist ein strukturiertes Auswahlverfahren: Mehrere Agenturen erhalten dasselbe Briefing und präsentieren ihre Lösungsansätze. Du vergleichst und entscheidest.
Das klingt gut. Aber in der Praxis hat es Haken.
Eine Agentur investiert 20–40 Stunden in einen Pitch. Strategie, Konzept, Präsentation. Für umsonst.
Ohne Vergütung: Entweder läuft der Pitch nebenbei (schlechte Qualität), oder die Kosten werden auf zahlende Kunden umgelegt.
Faustregel: Wenn du eine gute Agentur willst, bezahle für den Pitch. CHF 1000–5000 sind fair für ernsthaften Aufwand.
Wer gratis Arbeit verlangt, bekommt Arbeit, die so viel wert ist.
"Wir wollen eine moderne Website, die seriös ist." – Was bedeutet das?
Unklare Briefings führen zu unvergleichbaren Ergebnissen. Du siehst drei komplett verschiedene Ansätze – und kannst sie nicht sinnvoll bewerten.
Lösung: Investiere Zeit in das Briefing. Ziele, Zielgruppe, Budget, Rahmen. Je klarer, desto besser die Ergebnisse.
Die Agentur mit den schönsten Slides ist nicht automatisch die, die dein Projekt am besten umsetzt.
Präsentationsfähigkeit und Projektqualität sind zwei verschiedene Dinge. Viele gute Agenturen pitchen schlecht. Viele schlechte Agenturen pitchen gut.
10 Agenturen einladen klingt nach mehr Auswahl. In der Praxis: Du kannst 10 Präsentationen nicht sinnvoll bewerten. Und gute Agenturen nehmen an Pitches mit 10 Teilnehmern oft gar nicht erst teil.
Regel: Maximal 3 Agenturen. Mehr verwirrt.
Bei öffentlichen Aufträgen (Gemeinden, Kanton, Bund) ist ein Wettbewerb oft gesetzlich vorgeschrieben. Das ist legitim.
Bei Projekten über CHF 100'000 oder langfristigen Partnerschaften kann ein vergüteter Pitch helfen, strategische Unterschiede zu erkennen.
Wenn du keine Empfehlungen hast, kein Portfolio kennst und keine andere Möglichkeit siehst – dann kann ein Wettbewerb helfen. Aber bitte vergütiert.
Ein Agenturwettbewerb ist ein Werkzeug. Nicht der einzige Weg, eine gute Agentur zu finden.
Schau dir an, was Agenturen bereits gemacht haben. Sprich mit Referenzkunden. Frag nicht "Wie war das Ergebnis?", sondern "Wie war die Zusammenarbeit? Was lief gut, was nicht?"
Vereinbare mit 2–3 Agenturen ein bezahltes Gespräch (1–2 Stunden, CHF 500–1500).
Du siehst: Wie stellen sie Fragen? Wie denken sie? Verstehen sie dein Problem?
Das ist informationsreicher als jede Präsentation – und fairer für alle.
Starte mit einem kleinen, bezahlten Projekt. Landingpage, Konzept, Strategie-Workshop. Dann entscheidest du, ob du das grosse Projekt mit dieser Agentur machen willst.
Das ist der ehrlichste Test: Echte Arbeit, echtes Geld, echte Ergebnisse.
Kein Pitch zeigt, wie eine Agentur wirklich arbeitet. Ein kleines Projekt schon.
CHF 2000–5000 pro Agentur für ernsthaften Aufwand. Das zeigt Wertschätzung und verbessert die Qualität.
Ziele, Zielgruppe, Budget, Zeitplan, Entscheidungskriterien. Je präziser, desto besser.
Mehr ist nicht besser. 3 ist genug.
Nicht nur die Präsentation. Auch: Welche Rückfragen stellen sie? Wie argumentieren sie? Verstehen sie dein Geschäft?
Die Agenturen haben Zeit investiert. Ehrliches Feedback ist das Mindeste. Für jeden.
Zeit: 20–40 Stunden Aufwand
Kosten: CHF 3000–8000 (bei CHF 150–200/Stunde)
Gewinnchance: 1 von 3 = 33%
Zeit: 5–10 Stunden (Briefing, Präsentationen, Entscheidung)
Kosten: Wenn unvergütet: CHF 0 – aber schlechte Qualität
Wenn vergütet: CHF 6000–15'000 – aber bessere Ergebnisse
Ein guter Pitch kostet. Wer nichts bezahlen will, bekommt nichts Gutes.
Wir nehmen an Agenturwettbewerben teil, wenn sie fair aufgesetzt und vergütet sind. Und wenn das Briefing substanziell ist.
Wenn du unsicher bist, ob ein Pitch der richtige Weg ist – wir beraten dich gerne. Oft gibt es bessere Wege, die für alle effizienter sind.

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