Wer in der Schweiz erfolgreich auftreten will, sollte mehr anpassen als Sprache und Währung. Entscheidend ist, ob die Marke für Schweizer Kundinnen und Kunden vertraut, relevant und glaubwürdig wirkt.
Der Schweizer Markt ist attraktiv, hat aber seine Eigenheiten. Unternehmen aus Deutschland, Österreich oder anderen Ländern können viele bestehende Grundlagen übernehmen. Eine komplette Neuentwicklung der Marke ist in der Regel nicht nötig. Gleichzeitig reicht es selten, auf der Webseite Euro durch Franken zu ersetzen und einige Texte umzuschreiben.
Eine gute Lokalisierung verbindet die bestehende Markenidentität mit den Erwartungen des Schweizer Marktes. Wie umfangreich diese Anpassung ausfällt, hängt vom Angebot, der Zielgruppe und der bisherigen Positionierung ab.
Vor der Umsetzung sollte geklärt werden, wie sich der Schweizer Markt vom bisherigen Markt unterscheidet. Dazu gehören nicht nur demografische Daten, sondern auch konkrete Fragen zum Kaufverhalten:
Gerade im Vergleich zu Deutschland sind die primären Such- und Marketingkanäle meist dieselben: Google, Social Media, Vergleichsplattformen oder zunehmend auch KI-gestützte Suchangebote. Unterschiede zeigen sich eher darin, wie ein Angebot präsentiert wird und welche Erwartungen Kundinnen und Kunden an Service, Qualität und Verlässlichkeit haben.
Eine Positionierung, die in einem anderen Land funktioniert, muss für die Schweiz nicht automatisch falsch sein. Sie sollte aber überprüft werden.
Begriffe wie Qualität, Innovation, Nachhaltigkeit oder persönliche Beratung werden von vielen Unternehmen verwendet. Für einen neuen Marktauftritt braucht es deshalb ein möglichst konkretes Nutzenversprechen: Weshalb sollten sich Schweizer Kundinnen und Kunden für dieses Angebot entscheiden? Welche Besonderheiten sind tatsächlich relevant? Und wie unterscheidet sich die Marke von lokalen Anbietern?
Dabei geht es nicht darum, sich künstlich als Schweizer Unternehmen darzustellen. Transparenz wirkt glaubwürdiger. Ein ausländisches Unternehmen kann beispielsweise mit seiner Erfahrung, seiner Spezialisierung oder einem besonders guten Angebot überzeugen – sofern gleichzeitig sichtbar wird, dass es die Bedürfnisse des Schweizer Marktes versteht.
Die Schweiz teilt sich mit Deutschland und Österreich zwar die deutsche Sprache, aber nicht in jedem Fall denselben Sprachgebrauch. Schweizer Hochdeutsch unterscheidet sich bei einzelnen Begriffen, Schreibweisen und Formulierungen.
Typische Anpassungen sind beispielsweise:
Noch wichtiger als einzelne Wörter ist der Ton. Wer deutsche Texte lediglich automatisiert anpasst, klingt schnell fremd oder übertrieben werblich. Schweizer Kommunikation ist häufig etwas zurückhaltender, konkreter und weniger laut. Aussagen sollten nachvollziehbar sein und nicht mehr versprechen, als das Angebot tatsächlich leistet.
Das bedeutet nicht, dass jede Marke nüchtern auftreten muss. Der bestehende Charakter soll erhalten bleiben – aber in einer Form, die im Schweizer Umfeld natürlich wirkt.
Preise sollten in Schweizer Franken ausgewiesen werden. Ebenso wichtig ist, transparent über Mehrwertsteuer, Versandkosten, Lieferzeiten, Rücksendungen und mögliche Zollgebühren zu informieren.
Bei Onlineshops gehören passende Zahlungsmöglichkeiten zu den wichtigsten Vertrauensfaktoren. Neben Kreditkarten und Kauf auf Rechnung ist in der Schweiz insbesondere TWINT weit verbreitet. Fehlt eine erwartete Zahlungsart, kann dies zu Kaufabbrüchen führen.
Auch die Preispositionierung sollte überprüft werden. Eine direkte Umrechnung aus Euro ergibt nicht zwingend einen marktgerechten Schweizer Preis. Kaufkraft, Mitbewerber, Lieferkosten, Serviceumfang und lokale Erwartungen müssen in die Kalkulation einfliessen.
Eine .ch-Domain ist nicht zwingend, kann aber die lokale Wahrnehmung stärken. Dasselbe gilt für eine Schweizer Kontaktadresse, eine lokale Telefonnummer oder klar bezeichnete Ansprechpersonen für den Schweizer Markt.
Entscheidend ist, dass keine falschen Erwartungen entstehen. Wer mit einem Schweizer Auftritt wirbt, sollte auch Fragen zu Lieferung, Support, Rückgabe oder Garantie zuverlässig für die Schweiz beantworten können.
Zu einem glaubwürdigen Auftritt gehören unter anderem:
.ch-Domain oder ein klarer Schweizer Bereich der bestehenden WebseiteEin bekanntes Schweizer Gütesiegel oder eine Zertifizierung kann zusätzlich Vertrauen schaffen. Es sollte jedoch nur eingesetzt werden, wenn die entsprechenden Voraussetzungen tatsächlich erfüllt sind.
Je nach Angebot müssen verschiedene rechtliche Vorgaben geprüft werden. Dazu gehören beispielsweise Datenschutz, Impressum, Allgemeine Geschäftsbedingungen, Widerrufs- und Rückgaberegeln, Preisbekanntgabe oder branchenspezifische Vorschriften.
Bei Onlineshops stellen sich zusätzlich Fragen zu Import, Zoll, Mehrwertsteuer und Produkthaftung. Wer Produkte aus dem Ausland in die Schweiz liefert, sollte klar regeln, wer als Importeur auftritt und welche Kosten für die Kundschaft entstehen.
Rechtstexte aus Deutschland oder der EU sollten deshalb nicht ungeprüft übernommen werden. Welche Anpassungen nötig sind, hängt vom Geschäftsmodell ab und sollte im Zweifelsfall juristisch beurteilt werden.
Für Google und andere Suchangebote ist eine Schweizer Domain allein noch keine Lokalisierungsstrategie. Inhalte müssen erkennbar auf die Bedürfnisse und Suchanfragen des Schweizer Marktes ausgerichtet sein.
Dazu gehören:
Unternehmen sollten zudem prüfen, ob Schweizer Kundinnen und Kunden nach anderen Begriffen suchen als im bisherigen Markt. Schon kleine sprachliche Unterschiede können beeinflussen, ob eine Seite bei Google oder in Antworten von Chatbots gefunden wird.
Bei mehrsprachigen Angeboten kommt die Aufteilung in Deutsch, Französisch und Italienisch hinzu. Nicht jedes Unternehmen muss von Beginn weg alle Landessprachen anbieten. Die Auswahl sollte sich nach Zielregion, Marktpotenzial und verfügbaren Ressourcen richten.
Bestehende Kampagnen lassen sich häufig als Grundlage übernehmen. Zielgruppen, Botschaften, Anzeigen und Zielseiten sollten jedoch separat für die Schweiz aufgesetzt oder angepasst werden.
Eine Lokalisierung kann beispielsweise betreffen:
Es genügt nicht, Schweizer Nutzerinnen und Nutzer auf eine allgemein gehaltene deutsche Seite zu führen. Werbung und Zielseite sollten inhaltlich zusammenpassen und dieselben lokalen Argumente aufnehmen.
Die sichtbare Kommunikation ist nur ein Teil der Lokalisierung. Ebenso wichtig sind die Prozesse dahinter.
Vor dem Markteintritt sollte geklärt werden:
Eine überzeugende Kampagne hilft wenig, wenn Kundinnen und Kunden anschliessend lange auf eine Antwort warten oder bei einer Rücksendung mit unerwarteten Kosten konfrontiert werden.
Nicht jede Marke braucht eine eigenständige Schweizer Strategie, ein neues Erscheinungsbild oder komplett neu geschriebene Inhalte. Oft ist es sinnvoller, die bestehenden Grundlagen gezielt weiterzuentwickeln.
Für einen ersten Markteintritt können folgende Massnahmen genügen:
Ob darüber hinaus eine eigene Kampagne, eine neue Bildwelt oder ein angepasstes Markendesign nötig ist, zeigt sich aus der Analyse. Die Lokalisierung sollte so weit gehen, wie sie für Relevanz und Vertrauen tatsächlich einen Unterschied macht.
Eine Marke für die Schweiz zu lokalisieren bedeutet nicht, alles neu zu erfinden. Die stärksten Elemente der bestehenden Marke sollten erhalten bleiben. Gleichzeitig müssen Sprache, Angebot, Preise, digitale Kanäle und interne Abläufe zum Schweizer Markt passen.
Erfolgreich ist die Lokalisierung dann, wenn sie nicht wie eine nachträgliche Anpassung wirkt. Schweizer Kundinnen und Kunden sollen auf Anhieb verstehen, was angeboten wird, weshalb es für sie relevant ist und dass das Unternehmen ihre Erwartungen kennt.
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